Thomas S. Drucken
"Ich wollte breit sein, aber nicht abhängig."

Ich dachte, ich werde mich schon im Griff behalten. Aber ich hatte mich getäuscht. Die Droge hatte mich im Griff – immer mehr und mit allen Begleiterscheinungen.
Ich war schon 26 Jahre alt, als ich in einer "spätpubertären Phase" meiner Entwicklung meinte, alles an Drogen und Philosophien ausprobieren zu müssen. Und ich tat es. Ohne Maß und ohne Grenzen. Dabei habe ich mich völlig verausgabt. Das hatte zur Folge, dass ich total durch den Wind war, kriminell wurde und in Obdachlosigkeit und zeitweise im Knast landete.
In meinem Leben fehlte ein fester Grund. Da war nichts Richtiges. Da konnte nichts Gutes wachsen. Meine Mutter war psychisch krank und tablettenabhängig. Mein Vater war immer weg. Als ich 12 Jahre alt war, wurden meine Eltern geschieden. Ich wollte weg von zu Hause und bekam Pflegeeltern. Der Pflegevater war süchtig und ebenso mein Pflegebruder. Es war schwer. Ich fühlte mich oft nicht geliebt und erlitt innere Verletzungen. Allerdings haben mir die Pflegeeltern trotzdem etwas vom Glauben vermittelt und ein Zuhause gegeben. Ich bewahrte mir eine Form des Kinderglaubens. Der hielt allerdings mein Erwachsensein nicht durch. Spätestens bei der Bundeswehr kam ich ganz vom Glauben weg und öffnete mich für alle möglichen Religionen, wie Buddhismus, Hinduismus, Indianerglauben.
Meine Sucht wurde so exzessiv, dass ich einmal binnen drei Monaten 18.000 DM durchgefixt habe. Ich war nicht zu halten.
Auf der Straße lernte ich zu schnorren und einigermaßen zu überleben. Trotzdem war ich die ganze Zeit voll drauf. Ich wurde zusammengeschlagen, musste mich vor der Polizei verstecken, zeltete im Wald und durchlebte die verschiedensten Phasen. Getrieben und unsicher, süchtig und teilweise auch überheblich. Ich lebte in Hamburg und Berlin, zwischendurch auch mal in Holland. In Hamburg bekam ich irgendwann eine Bibel geschenkt. Ich las sie voll durch und bekehrte mich auf meine Weise. Jesus war für mich ein Urhippie. Und als Hippie fühlte ich mich auch. Gott sah mich, egal wie ich drauf war. Ich betete: >Jesus, mach mich frei, dass ich nicht ständig diese Spritzengeilheit habe<. Als Folge des Gebets habe ich dann keine Vene mehr getroffen.
Aber ich wollte noch immer zwei Herren dienen, Jesus und der Droge. Ich liebte die Drogen noch zu sehr. Ich machte mehrere Therapieversuche, kam esoterisch drauf, brach ab, kam wieder drauf und zwischenmenschlich ging immer mehr kaputt. Trotzdem machte ich mir lange Zeit vor, ich würde Jesus und die Droge zusammen bekommen. Ich habe gegen alles rumphilosophiert, gegen den Staat gekontert und meine schräge Nummer abgezogen. Ich lebte in der Obdachlosenszene, in der Punkszene, als Rockmusiker in der Musikszene, in der Drogenszene am Kottbusser Tor in Berlin und in meiner eigenen christlichen Hippieszene.
Aber es brach alles zusammen. Ich kriegte das nicht zusammen, meinen Drogenlebensstil und meinen Glauben.
Ich entschied mich zu einem erneuten Versuch. Ich wollte klar werden, richtig leben und endlich mal aufrecht gehen. Durch eine gute Fügung öffnete sich für mich eine Tür ins Neue Land. Ich machte sehr ernsthaft Therapie. Ich begriff, dass ich mich ändern muss. Im Neuen Land erlebte ich mich angenommen und zu Hause. Ich konnte mich frei geben und über alles reden und konnte echt werden. Ich musste niemandem mehr etwas beweisen oder vormachen. Ich durfte ICH sein. Und ich lernte Jesus kennen, wie er wirklich ist. Ich konnte seine Hand ergreifen und seine Hilfe erleben.
Ich weiß mich geliebt und versuche der Liebe in mir Raum zu geben. Ich lerne mein Maß zu finden und mich nicht mehr zu übernehmen – kein Schauspieler zu sein. Ich bin manchmal immer noch schwach, aber ich kann mir das zugestehen und damit umgehen. Ich kann echt sein. Ich freue mich, mit Gott zu gehen und nur noch einem Herrn zu dienen. Bei Gott werde ich heil und erfahre ein Glück, das es ohne Gott einfach nicht gibt. Egal mit welcher Droge.
Ich arbeite jetzt in der Altenpflege und ehrenamtlich im Neuen Land. Ich freue mich, anderen Menschen dienen zu dürfen. Ich habe viel Liebe geschenkt bekommen und darf etwas davon weitergeben. Das erfüllt mein Leben. Meinen Eifer habe ich nicht beiseite gelegt. Ich habe ihn nur kanalisiert. Ich möchte zum Segen sein.

Thomas