Eduard Drucken
"Ich hatte alles versucht, aber es ging immer wieder von vorne los. Ich konnte vor der Droge nicht weglaufen, ich musste mich ändern.
Das war mir klar geworden. Ich hatte mein Leben satt. Ich konnte nicht mehr. Ich fühlte mich immer unaufrichtig, schmutzig und schuldig. Meine Minderwertigkeit rutschte immer tiefer in den Boden.
 
Vor Jahren hatte ich gehofft, bei der Bundeswehr die Kurve zu kriegen. Ich hatte tatsächlich für 3 Monate mit allem aufgehört, überhaupt keine Drogen mehr genommen. Ich war in Sarajewo in Bosnien –SFOR-Soldat. Weit weg von Zuhause. Doch die Droge holte mich dort wieder ein. Hin und wieder mal etwas genommen – dann war ich wieder voll drauf. Habe bei den Soldaten gedealt, bis ich regulär entlassen wurde.
Das war nur einer meiner Irr-
tümer. Mit allen Versuchen, der Droge zu entkommen, klappte es nicht. Die Droge war immer und überall da.
Eigentlich hatte ich eine ganz schöne Kindheit. Ich habe alles gekriegt, was ich haben wollte. Meine Eltern und meine älteren Geschwister waren alle nett zu mir. Ich hatte 4 ältere Schwestern und zwei Brüder. Aber ich war unzufrieden. Ich wollte immer mehr. Mein Aussehen machte mir Not. Ich war immer dicker als die anderen und fühlte mich minderwertig. Ich habe mich für meine Sprachstörungen geschämt. Das hat mich unheimlich verunsichert. Mit meinem Vater konnte ich überhaupt nicht reden. Mit meiner Mutter etwas.
Ich wollte mich dann abwenden und entwickelte mich zum Außenseiter. Mit 16 Jahren fing ich an zu kiffen, mit 18 Heroin zu nehmen. Mein Außenseiter-dasein hat mir zunächst Spaß gemacht. Durch die Drogen waren meine Sprachstörungen weg und ich war jemand. Ich hatte immer Drogen und dealte damit und konnte mir vieles leisten. Aber der Boden unter mir rutschte mir mehr und mehr weg. Ich hatte mehrere Abstürze, raffte nichts mehr, brach meine Ausbildung zum Dreher ab und war total daneben.
Einige Jahre war ich dann auf Methadon. Aber das Zeugs brachte es auch nicht. Ich nahm ständig andere Drogen zusätzlich und musste erkennen, dass mich die Droge belog. Mit der Droge, und auch Methadon ist eine Droge, konnte ich mein Leben nicht in den Griff kriegen.
Mein Elternhaus ist christlich. Alle waren Christen und ich glaubte tief in meinem Herzen auch. Aber ich verleugnete Gott und lebte was ganz anderes. Trotzdem war Gott irgendwie immer bei mir und bewahrte mich vor noch Schlimmerem.
Als ich dann so weit war, dass ich mich ändern wollte, kam für mich nur in Frage, dass ich eine christliche Therapie mache. Im Internet stieß ich zusammen mit einem Berater auf Neues Land. Da wollte ich hin. Schon allein der Name hatte es mir angetan.
Ich wollte neues Land. Ich brauchte Abstand, Hilfe, meinen Glauben und eine Richtung zum Leben.
Die Rentenversicherung wollte mich in Bremen behalten, aber ich wollte nach Hannover ins Neue Land. Ich musste kämpfen und ich bekam die Kostenzusage für das Neue Land. Ich war sehr glücklich. Und von nun an ging alles recht schnell. Ich ging ins Neue Land und wollte mich voll ändern.
Und ich kann sagen, ich habe mich vollkommen verändert. Ich bin anders als früher. Ich bin jetzt lebenslustig, froh und witzig. Ich kann mich amüsieren ohne Drogen und ohne Alkohol.
Ich habe Sport, Spaß und Glauben – das ist der Wahnsinn!
Gott hat mir meine Last, meine Schuld abgenommen und ich habe erfahren, dass ich doch was bin und was schaffen kann. Ich muss auch nicht mehr alles überstürzen. Ich kann mir Zeit lassen und mein Leben macht mir Freude.
Mit meinen Eltern und meinen Geschwistern hatte ich Klärungsgespräche, wir konnten uns versöhnen. Ich habe mich entschuldigt für alles und mein steinernes Herz wurde erweicht. Früher konnte ich nicht mit Menschen umgehen. Heute kann ich mit ihnen gut klarkommen. Sie sind mir sogar so wichtig, dass ich meinen Berufswunsch geändert habe. Früher wollte ich Dreher werden, heute will ich Erzieher werden.
Auch mit der Schule klappt es gut.
Meine Therapie liegt nun schon über ein Jahr zurück. Was für viele unverständlich klingt:
Ich kann sagen, dass ich nie mehr Drogen nehmen werde. Nichts auf der Welt kann mich davon abbringen."