| Michael |
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"Was mir früher der Rechtsradikalismus war, das ist mir heute Jesus.Er ist noch viel mehr als alles, was mein altes Leben ausmachte. Er ist jetzt die Nummer 1 in meinem Leben. Ich stand in vielen Abhängigkeiten: Nikotin, Alkohol, Spielen, Heroin, Gewalt.
Das ging früh in meinem Leben los. Mit 9 Jahren kam ich zur Sonderschule. Obwohl ich eigentlich eine ganz gute Kindheit hatte, war ich faul bis zum Umfallen. Ich konnte nur sehr schwer lesen und schreiben. Ich bin Legastheniker. Meine Eltern haben mich nicht zur Schule angetrieben. Ich machte, was ich wollte. Ich habe viel rumgegammelt und Blödsinn gemacht. So kam ich auf die schiefe Bahn. Schon als Kind rauchte ich, jedenfalls bis 14 Jahre. Dann kam ich über einen Freund zum Radsport und wurde Radsportfan. 3 Jahre lang. In dieser Zeit fuhr ich jeden Tag ca. 100 km. Mit 17 Jahren fing ich mit Alkohol an. Am Anfang trank ich ab und zu, später steigerte sich das bis 5 Flaschen Whiskey täglich. Nach 3 Jahren dachte ich, wenn du weiter machst, bist du bald tot und ich hörte von heute auf morgen auf. Ich nahm mir 5 Wochen Urlaub, kaufte jede Menge Lebensmittel ein, schloss mich in meiner Wohnung ein, kippte sämtlichen Alkohol in den Ausguss und schmiss meinen Wohnungsschlüssel in hohem Bogen weg, damit ich ihn nicht wieder vorholen konnte. Ab dem Tag hieß es:
Ab heute saufe ich nicht mehr. Und ich habe das 5 Wochen durchgezogen. In der Zeit war ich 3 x ins Delirium gefallen. Es war hart. Aus den 5 Wochen wurden 8 Jahre, ich war 8 Jahre total trocken. Nach einem Rückfall schaffte ich es noch einmal 8 Jahre und es kam wieder zu einem Rückfall, der aber wirklich nur sehr kurz war. Eine Abhängigkeit löste die nächste ab. Nach dem Alk fing ich an, exzessiv Karten zu spielen. Ich verspielte 180.000 DM. An einem Tag checkte ich was los war. In der Rotlichtszene hatte ich mit Zuhältern gezockt und 49.000 DM verspielt. Sie hielten mir ihre Knarre an meinen Kopf, dass ich die Kohle beschaffe. Mein Leben war echt in Gefahr. Ich habe dann einen Kredit genommen und ihnen das Geld gebracht. Damit habe ich dann aufgehört. Es reichte mir. Ich habe mich wieder zuhause eingesperrt.
Jetzt rühre ich seit ca. 20 Jahren keine Karten mehr an. Dann war ich in rechtsradikalen Kreisen. Gewalt war an der Tagesordnung und ich kam auch mit Drogen in Kontakt. Erst habe ich Haschisch geraucht, dann bin ich zu harten Drogen übergegangen. Mit Heroin ging zunächst alles so schön easy und locker. Dann hatte ich kein Geld mehr, war aber total abhängig. Und sowie ich wieder Geld in den Fingern hatte, ging's wieder los.
Dazu kam, dass mein Vater starb. Das hat mich zusätzlich runtergerissen. Mein Vater war wichtig in meinem Leben. Er hatte mich zur Arbeit erzogen. Wer saufen und feiern kann, kann auch arbeiten gehen. Und so war ich immer darauf bedacht, Arbeit zu haben und nahm sie ernst. Trotzdem war ich zwischendurch 4 Jahre arbeitslos. Halt fand ich in der Hooligan- und Rechtsradikalen Szene. Ich suchte Zusammenhalt, Stolz und Stärke, war gewaltbereit, habe reingetreten und zugeschlagen, wie es sich ergab. Eklig, würde ich heute sagen. Aber das war damals so. Als ich dann wie durch ein Wunder wieder eine Arbeit bekommen hatte, hörte ich auf mit Heroin. Das habe ich allerdings nie richtig geschafft.
Obwohl ich mir wirklich den Arsch aufgerissen hatte, um nicht wieder abzustürzen, stürzte ich doch immer wieder ab.
Ich lebte insgesamt 13 Jahre mit einer Freundin zusammen. Sie war stark alkohol- und tablettenabhängig. Der Hammer war, dass ich sie eines Abends tot in unserer Wohnung aufgefunden habe. Das hat mich umgehauen und richtig nach unten in ein schwarzes Loch gezogen.
Jetzt musst du was tun, dachte ich. So kann es nicht weitergehen.
Ich ließ mich substituieren und suchte Gespräche im Neuen Land. Mach' Therapie, hieß es hier und tu was für dich. Du musst dich verändern.
Ich wollte mich ändern und bewarb mich um einen Platz im Neuen Land. Ich entgiftete im Auffanghaus. Hier war ich 2 Jahre zuvor schon einmal. Ich wurde wie ein großer Junge in einer Familie aufgenommen. Das war der zweitwichtigste Schritt in meinem Leben.
Mit Jesus konnte ich zunächst überhaupt nichts anfangen. aber ich wurde neugierig und dann kam es. Ich fing an zu beten. Ungefähr so: "Herr Jesus, wenn es dich wirklich gibt, hast du hier meine ganze Schuld, vergib mir!" In diesem Moment wurde mir richtig warm ums Herz. Danach war zwar nicht gleich alles besser, aber es ging steil nach oben.
In der Therapie konnte ich die ersten 30 Tage gar nichts annehmen. Ich war total verschlossen. Hier wäre ich fast an Gott verzweifelt. Doch dann klickte es bei mir und ich wusste, das Alte muss raus, damit was Neues werden kann. Und ich mutete mir zu, dass es auch weh tun darf, wenn ich meine Probleme bearbeite.
Insgesamt bin ich besser durch die Therapie gegangen, als ich gedacht hatte.
30 Jahre meines Lebens hatte ich verschenkt. Die Therapiezeit war zu kurz, dass sich mein Leben gründlich geändert hätte, aber ich hatte einen Anfang. Diesen Weg gehe ich bis heute weiter. Ich bin auf gutem Weg. Jesus hilft mir in allem. Ich bin nicht allein. Das Leben ist nicht leicht, aber Jesus ist immer stärker als alles andere. Mit ihm kann ich gewinnen. Er trägt mich durch.
Der Schritt, der dann folgte, war meine Taufe. Es war das größte Geschenk meines Lebens. Da habe ich Jesus mein ganzes Herz gegeben. Ich muss jetzt nicht mehr um den heißen Brei reden, ich kann einen klaren Weg gehen und der macht mir Freude.
Ich rauche nicht mehr, ich spiele keine Karten mehr, saufe nicht, nehme keine Drogen und habe mich vom Rechtsradikalismus getrennt. Ich habe sogar, was mir früher unmöglich erschien, eine positive Beziehung zu Israel eingenommen. Ich bin clean und glücklich. Wenn ich im Neuen Land oder auf der Straße Menschen von meinem neuen Leben erzählen kann, ist das der Hammer für mich.
Auf mein altes Leben habe ich keinen Bock mehr.
Zum Schluss möchte ich noch ein Bibelwort weitergeben, das ich bekommen habe:
"HERR, höre mich! Hab' Erbarmen und hilf mir!
Du hast meine Klage in einen Freudentanz verwandelt, du hast mir den Sack der Trauer ausgezogen und mich mit einem Festgewand bekleidet. Nun kann ich dich mit meinen Liedern loben, nie will ich verschweigen, was du für mich getan hast.
Immer und ewig will ich dir danken, mein Herr und mein Gott!"
(Psalm 30, 11 – 13) |







