| Slava |
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"Da saß ich nun an meinem 30. Geburtstag im Ausländerheim, unglücklich, auf Droge und total allein. Wo war ich gelandet? Was habe ich gelebt? Ich muss etwas ändern, durchströmte es mich. Aber wie? Wer konnte mir helfen?
Ca. eine Woche später begegnete mir ein Mitarbeiter des Neuen Landes auf der Drogenszene und sprach mich in Russisch an: Brauchst du Hilfe? Und ob ich Hilfe brauchte!
Ich hatte einen eitrigen Abszess am Finger und wusste nicht weiter.
Was machte er mit mir? Er ging mit mir ins SOS-Bistro zum Essen. Anschließend ins Auffanghaus. Die Krankenschwester sagte sofort "Ins Krankenhaus" und der Mitarbeiter brachte mich hin. Mein Finger wurde sofort operiert.
Aber jetzt? Was sollte ich tun? Nun, ich hatte Vertrauen gefunden zu den Leuten im Neuen Land und bekam die Chance, bei ihnen zu bleiben. Das war die Chance meines Lebens.
Aber ich war dennoch voll Ungewissheit. Wann wirst du rausgeschmissen?
Ich hatte keinen Pass, keine Rechte, keine Möglichkeit eine Therapie zu machen.
Hier bekam ich meine Chance trotzdem. Die Mitarbeiter kämpften alles mit mir durch, bis ich meine Therapie starten konnte.
Ich bin Russe und bin in Estland aufgewachsen. Eigentlich bin ich ganz gut aufgewachsen, doch irgendwie war ich bodenlos. Meine Eltern arbeiteten beide und niemand kümmerte sich richtig um mich. So war ich viel auf der Straße und lernte alles, was man so auf der Straße lernen konnte. Ich führte schon als Kind eine Art Doppelleben und verdiente mir mit unerlaubten Geschäften (Schwarzmarkt) viel Geld.
Ansonsten spielte ich Fußball, hatte gute Noten in der Schule und war der liebe Junge von nebenan.
Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes leben, aber wie?
Ich hatte keine Grundlage und keine Kraft. Keine richtige Beziehung zu meinen Eltern und Geschwistern.
Ich war immer auf der Suche nach Freiheit und Sinn und unterlag dem üblichen Trend, der da heißt: Geld, Geld, Geld. Ich dachte, Geld ist Freiheit. Was tat ich nicht alles?
Nach dem Militär in Russland kam ich 1991 zurück nach Estland, aber es war alles anders. Estland war nach der Wende selbstständig geworden. Die Sowjetunion war zusammengebrochen. Es herrschte Anarchie. Jeder machte, was er wollte. Ich auch.
Ich hatte mich verloren. Ich wollte Erfolg und Geld. Ich tat fast alles dafür und war Teil der kriminellen Szene.
Mehrere Male kam ich in den Knast. Einmal bekam ich aufgrund eines schlimmen Vorfalls 6 Jahre am Stück. Jetzt hatte ich Zeit zum Nachdenken.
Ich konnte mich kaum aushalten und nahm Drogen zum Wegmachen.
Aber ich schlug mich durch: Durch Gewalt, Lügen und Knasthierarchie hindurch.
Nach Deutschland kam ich mit falschen Papieren, die mir nirgendwo mehr eine Berechtigung gaben. Als man mich zurück nach Estland schickte, verweigerten sie praktisch meine Einreise und ich wurde zurück nach Deutschland geschickt.
Wie sollte ich mich hier orientieren? Ich war halt- und bodenlos und konnte kein Deutsch.
Ich landete wieder in kriminellen Kreisen und kam voll auf Heroin. Ich war zwar "nur" drei Jahre drauf, aber das waren drei Jahre zu viel.
Aber zurück zum Neuen Land. Ich machte also Therapie und ich kann sagen, dass mich die Therapie ganz verändert hat. Ich bin immer noch sehr dankbar für alles. Ich habe dort innere Ruhe und Frieden gefunden und letztlich mich selbst. Ich habe meine Ungewissheiten durchlebt und ein geduldiges Herz bekommen. Ich habe zu Gott gefunden und Jesus mein Herz gegeben.
Ich weiß jetzt, was ich will. Früher wollte ich Geld, Geld, Geld, immer mehr als der andere, heute will ich mehr sein als mehr haben.
Ich habe meine Chance wahr genommen. Das Neue Land hat mir 'ne Chance gegeben und Gott hat mir 'ne Chance gegeben. Gott hat mir mehr Liebe zu anderen Menschen gegeben und Kraft, das zu leben und anzugehen, was ich als richtig erkenne.
Oft durfte ich im Neuen Land aushelfen und ein bisschen das weitergeben, was ich selbst erfahren habe.
Zusammenfassend kann ich sagen:
Ich weiß, Gott hat uns das Leben nicht gegeben, dass wir es mit Drogen kaputt machen, sondern dass wir es nutzen.
Ich bekam die ausgestreckte Hand Gottes angeboten. Sie ist auch für dich da.
Ich bin heute dankbar, dass ich weiß, was ich will und ich bin nicht mehr allein.
Ich habe eine liebevolle Frau und drei super Kinder (im Bild), echte Papiere, einen Beruf und habe neue Freunde.
Ich darf der sein, der ich bin und ich habe Geduld und Kraft, auch das Schwere im Leben anzugehen, das auch dazu gehört." |

"Da saß ich nun an meinem 30. Geburtstag im Ausländerheim, unglücklich, auf Droge und total allein. Wo war ich gelandet? Was habe ich gelebt? 




